SARIA ReFood - einer der großen Biogaserzeuger Deutschlands
- Erweiterung der Verarbeitungskapazität der Biogasanlage Genthin von 40.000 t/a auf 70.000 t/a
- Fertigstellung einer neuen Lagerhalle für verpackte Lebensmittel in Mützel
Genthin/Mützel/Selm, 24.11.2006 - Im Jahr 1999 wurde auf dem Gelände des Henkel-Werks in Genthin die erste Biogas-Anlage der SARIA
Bio-Industries-Tochter ReFood GmbH in Betrieb genommen. Bislang werden dort jährlich rund 40.000 Tonnen organischer Reststoffe, wie z. B. Fettabscheiderinhalte, Flotatschlämme und Speisereste verarbeitet. Mit dem durch die Vergärung gewonnenen Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk Energie erzeugt. Die elektrische Energie wird ausschließlich zur Einspeisung in das öffentliche Netz verwendet, die thermische Energie wird für den Wärmebedarf der Anlage sowie für externe Verbraucher (Tankerinnenreinigung/Gebäudeheizung) eingesetzt.
Das bei der Vergärung übrig bleibende Gärsubstrat wird als hochwertiger Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt und zeichnet sich durch eine hohe Pflanzenverträglichkeit aus.
Das am 1. November 2006 in Kraft getretene Verbot der Verfütterung von behandelten Speiseresten in der Schweinemast hat SARIA ReFood veranlasst, die bundesweit bei über 40.000 Anfallstellen eingesammelten Speise- und verpackten wie unverpackten Lebensmittelreste in Biogasanlagen zu verbringen.
Aus diesem Grund wurde die Kapazität der Biogasanlage Genthin auf eine Jahresverarbeitungsleistung von 70.000 Tonnen ausgebaut. In Zukunft werden hier stündlich 1.886 kW elektrische und 2.200 kW thermische Energie erzeugt. Genug, um rund 5.000 Haushalte mit Strom und 500 Haushalte mit Wärme versorgen zu können.
Außerdem wurde auf dem SARIA-Gelände in Mützel eine neue Lagerhalle für verpackte Lebensmittel errichtet, welche sich in unmittelbarer Nähe der Entpackungsanlage mit einer täglichen Entpackungsleistung von bis zu 100 Tonnen befindet. Die Investitionssumme für Biogasanlage und Lagerhalle beträgt 3 Mio. Euro.
Zeitgleich investiert SARIA ReFood in weitere Biogasanlagen. So wurde am 3. November eine Anlage in Schwallungen (Thüringen) in Betrieb genommen (2 MW), eine weitere Anlage wurde in Kogel (Mecklenburg-Vorpommern) übernommen (2 MW). Des weiteren werden eine Anlage in Malchin (M.-V.) und zwei Anlagen in Kobrow (M.-V.) gebaut. Genehmigungsverfahren laufen derzeit für Anlagen in Schwerz (S.-A.), Marl (NRW), Lünen (NRW) und Mützel. Damit reiht sich SARIA ReFood in die Liste der großen Biogaserzeuger Deutschlands ein.
In seiner Begrüßungsansprache bedankte sich SARIA-Vorstandssprecher Klemens Rethmann bei Behörden und Stadt, dass die für den stetigen Ausbau des Standortes erforderlichen Genehmigungen immer zügig und kooperativ erteilt wurden. „Sie und Ihre Mitarbeiter haben unsere Bemühungen, hier Arbeit zu schaffen und zu sichern, immer positiv begleitet. Wichtig für uns war und ist, dass Sie uns nicht nur versichert haben, zu uns zu stehen, sondern dass Sie auch tatsächlich zu uns gestanden haben. Wir sind optimistisch, auch weiterhin hier ein erfolgreiches Unternehmen führen zu können. Nicht nur für die Pflichtaufgabe der Tierkörperbeseitigung in Sachsen Anhalt, sondern auch darüber hinaus.“
Petra Wernicke, Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt, verwies darauf, dass bereits verarbeitete Küchen- und Speiseabfälle seit dem 01. November nicht mehr verfüttert werden dürfen. Wernicke: „Die Entsorgung in einer Biogasanlage ist deshalb ein alternativer Verwertungsweg.“ Sie hob hervor, dass die energetische Nutzung in einer Biogasanlage Entsorgungssicherheit schafft und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Kreislaufwirtschaft leistet.
Der Landrat des Landkreises Jerichower Land, Lothar Finzelberg, begrüßte die durchgeführten baulichen Maßnahmen der SARIA-Gruppe ausdrücklich, da jetzt die in der EU-Verordnung EG Nr.1774/2002 geforderte strikte Trennung zwischen dem Kategorie 3 Material verarbeitender Betrieb, SARIA ReFood, und dem Kategorie 1 u. 2-Bereich der SARIA-Bio-Industries gewährleistet seien.
Die Erweiterung der Verarbeitungskapazität der Biogasanlage auf 70.000 Jahrestonnen stelle sicher, dass Speiseabfälle auch nach dem generellen Verfütterungsverbot ab November 2006 weiter sinnvoll in den Wirtschaftskreislauf eingebracht würden. Der Landrat weiter: „Ausdrücklich muss erwähnt werden, dass mit der Maßnahme ein bedeutendes überregional wirkendes Unternehmen in der Region Genthin gestärkt wurde und Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen werden.“
Der Genthiner Bürgermeister Wolgang Bernicke hob das langjährige Engagement der RETHMANN- Gruppe in Genthin hervor: „Dieses Unternehmen hat in unserer Stadt wesentlichen Anteil daran, dass industrielle Kernbereiche, wie die Verarbeitung tierischer Nebenprodukte, die in unserer Stadt eine jahrzehntelange Tradition haben, nicht nur schlechthin erhalten geblieben sind, sondern in einem immensen Umfang weiter entwickelt wurden. Die Industrieanlagen von SARIA und REMONDIS in Genthin tragen dazu bei, dass dauerhaft nahezu 150 Arbeitsplätze gesichert sind.“
Für weitere Informationen:
Claus M. Andreas
-Unternehmenskommunikation-
SARIA Bio-Industries GmbH & Co.
Verwaltungs- und Beteiligungs KG
Wernerstraße 95
59379 Selm
Tel.: 02592 – 210-166
Fax: 02592 – 210-271
Email: claus.andreas@saria.de
Hintergrundinformationen:
SARIA ReFood historisch und zukünftig
Seit Menschengedenken ist das Halten von Schweinen und die Verwertung von Küchen- und Speiseresten durch die Schweine üblich gewesen. Mit Beginn der Industrialisierung - und damit auch einhergehender Arbeitsteilung und Verstädterung - wurde dieser sinnvolle und ressourcensparende Verwertungsweg mehr und mehr zurückgedrängt.
Küchen- und Speisereste fielen nichtsdestotrotz an, wurden jedoch aus privaten Haushalten der Restmülltonne oder ab den 90er Jahren der Komposttonne zugeführt. Für Großanfallstellen, wie Kantinen, Krankenhäuser, Bundeswehrstandorte, Mensen etc. blieben diese Küchen- und Speiseabfälle jedoch ein Problem, weil sie zu entsorgen waren. Die moderne Landwirtschaft hatte jedoch hierauf eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Antwort, nämlich die Verwertung zu einem hochenergiehaltigen Schweinemastfutter.
Die gesetzliche Grundlage bildete lange Zeit das Tierkörperbeseitigungsgesetz und seit neuestem die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates (1774/2002) mit Hygienevorschriften für „nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte“.
Diese im Jahre 2002 erlassene EU-Entscheidung verbot eine Verfütterung von Küchen- und Speiseabfällen grundsätzlich aus mehreren Gründen:
- Die EU-Verordnung schließt, basierend auf dem sogenannten EU-Lebensmittelweißbuch, eine vollständige Rückverfolgbarkeit der Lebens- und Futtermittelkette vor („From Farm to Fork“).
- Zusätzlich wurde ein Interspezies-Verfütterungsverbot eingeführt, d. h. dass Proteine von einer bestimmten Art nicht mehr an dieselbe verfüttert werden dürfen (Kein Protein von Schweinen im Schweinefutter!).
- Gleichzeitig gilt in Deutschland immer noch ein Verfütterungsverbot tierischer Fette und Proteine an fleischliefernde Nutztiere!
- Außerdem übernimmt die 1774/2002 die Forderung der Schweinepestrichtlinie von 2001, Küchen- und Speisereste in der Fütterung grundsätzlich zu verbieten. Dieses Verbot resultiert aus der immer wiederkehrenden Beobachtung, dass nicht sachgemäß behandelte Küchen- und Speisereste zu Seuchenausbrüchen (z. B. Schweinepest, MKS) geführt haben.
Speisereste – bedingt durch die Sammlung an vielen unterschiedlichen Stellen und ihrer stark variierenden Zusammensetzung mit Resten unterschiedlicher tierischer Herkunft – genügen diesen Ansprüchen an ein heutiges Futtermittel nicht mehr!
Den Ländern Deutschland und Österreich wurde jedoch auf Antrag eine Ausnahme zu dieser EU-Verordnung und eine Übergangslösung bis zum 31.10.2006 gewährt. Dies bedeutet, dass für alle Unternehmen, insbesondere auch landwirtschaftliche Betriebe, die sich in diesem Bereich betätigen, seit rund dreieinhalb Wochen ein anderer Verwertungsweg für die nach wie vor anfallenden und eingesammelten Küchen- und Speiseabfälle gefunden werden musste.
Die ReFood GmbH, die sich innerhalb der SARIA-Gruppe mit diesem Thema beschäftigt, hat hierzu flächendeckend ein durchgängiges Einsammlungs-, Transport-, Umschlags- und Verwertungskonzept entwickelt. Die Unternehmung SARIA ReFood folgt damit dem gesetzgeberischen Willen – auf der einen Seite seuchenhygienisch und prophylaktisch, die Küchen- und Speiseabfälle zu erfassen und auf der anderen Seite aus Biomasse über den Weg der Biogasherstellung elektrische und Wärmeenergie herzustellen.
Dies ist - außerhalb des Futtermittel- bzw. Lebensmittelkreislaufes - eine Verwertung im allerbesten Sinne.
Das Unternehmen ReFood GmbH
Die ReFood GmbH ist eine Tochtergesellschaft der SARIA Bio-Industries, eines Teilkonzerns der RETHMANN-Gruppe. ReFood erwirtschaftete 2005 mit 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 12 Standorten einen Umsatz von rund 50 Mio. Euro.
ReFood entsorgt an ca. 40.000 Anfallstellen in Gastronomie, Handel und Lebensmittelindustrie jährlich 160.000 Tonnen Speisereste, verpackte Lebensmittel, Erzeugnisse tierischen Ursprungs wie Knochen und Fleischabschnitte sowie Alt- und Frittierfette.
Die Erzeugung von regenerativer Energie ist ein wachsendes Geschäftsfeld innerhalb der RETHMANN-Gruppe. So produziert die SARIA-Tochter ecoMotion GmbH in Deutschland schon 212.000 Tonnen Biodiesel aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen, bei REMONDIS produzieren Müllheizkraftwerke und Biomassekraftwerke Strom und Wärmeenergie.
Das Verfahren der Biogasgewinnung
Download: Das Verfahren der Biogasgewinnung
SARIA Standorte, Arbeitsplätze, Investitionen in Sachsen-Anhalt:
SARIA Bio-Industries GmbH Niederlassung Mützel (bei Genthin)
SARIA Bio-Industries GmbH Sammelstelle Schwerz
SARIA Bio-Industries GmbH Niederlassung Klärwerk Genthin
SARIA ReFood GmbH Niederlassung Mützel
SARIA ReFood GmbH Sammelstelle Schwerz
SARIA ReFood GmbH Biogasanlage Genthin
SARIA-Betriebe in Sachsen-Anhalt
Arbeitsplätze | 128 |
Investitionen seit 1991 | 42 Mio. € |
Einkaufsvolumen | 5,2 Mio. €/Jahr |
Elektroenergie | 600.000 €/Jahr |
Gas/Heizöl | 200.000 €/Jahr |
Wasser/Abwasser | 200.000 €/Jahr |
Gewerbesteuer | 500.000 €/Jahr |
Die REMONDIS hat in Sachen-Anhalt zahlreiche Standorte, u.a.:
Abfallwirtschaft Jerichower Land, NL Genthin
Abfallwirtschaft Jerichower Land, NL Ziepel
Abfallwirtschaft Jerichower Land, Deponie Burg (Recyclinghof)
Abfallwirtschaft Jerichower Land, Deponie Werdenberg (Umschlag)
Wertstoffzentrum Magdeburg
NL Bernburg
EVZA Staßfurt
NL Roßlau
Abfallwirtschaft Nordharz Reddeber
Abfallwirtschaft Nordharz Quedlinburg (Recyclinghof)
Abfallwirtschaft Nordharz NL Wernigerode
Nordharzentsorgung NL Halberstadt
Wertstoffaufbereitung Rietnordhausen
Wertstoffaufbereitung Edersleben.
MUEG - Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH (Addinol, Asendorf, Beuna, Lochau u.a.)
GRP Glasrohstoff-Produktion Bennstedt GmbH, Bennstedt
MILDENA (Kalbem Kakerbeck, Stendal)
